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Ausdauer
Ausdauer im Tennis
Ausdauer hilft, über längere Zeit leistungsfähig zu bleiben und sich zwischen den Belastungen schnell zu erholen.
Im Tennis bedeutet das: Spieler können intensive Ballwechsel wiederholt bewältigen und ihre Bewegungsqualität, Schlagtechnik und Konzentration möglichst lange aufrechterhalten. Entscheidend sind sowohl die Widerstandsfähigkeit gegen körperliche und psychische Ermüdung als auch die schnelle Regeneration in den Pausen.
Bedeutung für die Tennisleistung
Tennis besteht aus einem ständigen Wechsel zwischen Belastung und Erholung. Eine gute Ausdauer unterstützt deshalb zwei Aufgaben: während des Ballwechsels leistungsfähig zu bleiben und für den nächsten Ballwechsel wieder bereit zu sein. Grundlage dafür sind das Herz-Kreislauf- und Atmungssystem sowie die Energiebereitstellung in der Muskulatur.
Das bedeutet es für Trainer
Ausdauertraining soll dazu beitragen, dass Spieler auch bei zunehmender Ermüdung präzise, konzentriert und mit hoher Bewegungsqualität handeln können. Plane dafür Belastungsdauer, Intensität und Pausen bewusst. Die Qualität der Aktionen im späteren Trainings- oder Matchverlauf ist dabei ein wichtiger Maßstab.
Die tennisspezifische Ausdauer wird neben der Grundlagenausdauer u. a. durch Lauf- und Schlagökonomie, Körpergröße und Körpergewicht sowie Reaktivkraft und Schnelligkeit beeinflusst. Verschiedene Indizien deuten außerdem darauf hin, dass für Tennisspieler*innen die tennisspezifische Ausdauer gegenüber der Grundlagenausdauer von insgesamt höherer Bedeutung ist:
- Die in der Laufbandergometrie (vgl. Kapitel 5.1) im Labor ermittelte Grundlagenausdauer korreliert nur unzureichend mit der in einem tennisspezifischen Ausdauertest im Feld erzielten Ausdauerleistung (Kinner et al., 2006).
- Die in der Laufbandergometrie im Labor ermittelte Laktatschwelle korreliert nicht vollständig mit der in einem intensiven Drilltraining auf dem Tennisplatz ermittelten Ermüdungstoleranz (Ferrauti et al., 1999).
- Energiestoffwechsel (z. B. respiratorischer Quotient) und Sauerstoffaufnahmekinetik unterscheiden sich trotz identischem Energieumsatz erheblich zwischen einer Dauerbelastung (z. B. Joggen) und dem Tenniswettspiel (Abb. 4) (Ferrauti et al., 2001).
Das Ausdauertraining im Tennis muss daher auf der Basis einer soliden Grundlagenausdauer in erster Linie die tennisspezifische Ausdauer in ausreichendem Maße berücksichtigen.
Ausdauerbelastung durch Lauf- und Schlagarbeit
Die Ausdauerbelastung im Tennis entsteht durch das Zusammenspiel von Laufarbeit und Schlagaktivität. Auch intensive Schläge mit wenig Laufbewegung beanspruchen das Herz-Kreislauf-System erheblich.
Warum die Laufstrecke allein nicht ausreicht
Wer die Belastung ausschließlich anhand der zurückgelegten Strecke beurteilt, unterschätzt die Schlagarbeit. In einer Untersuchung mit regionalen Turnierspielern wurden bei einem intensiven Schlagdrill „aus dem Stand“ über 80 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme erreicht. Schlaghärte und Schlagfrequenz müssen deshalb bei der Belastungssteuerung mitberücksichtigt werden.
Bedeutung für die Leistungsentwicklung
Ausdauer ist neben Schnelligkeit und explosiver Kraft eine wichtige Voraussetzung für die Tennisleistung. Untersuchungen im Nachwuchsbereich zeigen: Später auf der Weltrangliste geführte Spieler erreichten bereits in der U16 im Durchschnitt bessere Ausdauer- und Powerwerte. Diese Zusammenhänge liefern Hinweise für die Trainingsplanung, erlauben aber keine sichere Vorhersage einer individuellen Karriere.
Das bedeutet es für Trainer
Beurteile die Trainingsintensität anhand der gesamten Aufgabe: Laufwege, Richtungswechsel, Schlaghärte, Schlagfrequenz und Pausen bestimmen gemeinsam die Beanspruchung. Auch Übungen mit kurzen Laufwegen können konditionell sehr anspruchsvoll sein. Tennisspezifische Ausdauertests helfen, die Fähigkeit zu wiederholter Lauf- und Schlagarbeit einzuschätzen.
Laufwege und Zeitdruck im Tennis
Im Grundlinienspiel dominieren kurze Laufwege. Besonders entscheidend sind jedoch Situationen, in denen Spieler den Ball unter Zeitdruck erreichen und kontrolliert schlagen müssen.
Welche Laufwege kommen häufig vor?
Laut der beschriebenen Untersuchung beträgt der Weg zum Schlag bei etwa 80 Prozent der Grundlinienschläge weniger als drei Meter. In rund 20 Prozent der Schlagsituationen stehen Spieler unter erhöhtem Zeitdruck. Dabei überwiegen seitliche Laufbewegungen an der Grundlinie deutlich gegenüber Sprints nach vorne.
Ein kurzer Laufweg bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ausreichend Zeit vorhanden ist: Auch Ballgeschwindigkeit, Ausgangsposition und Reaktion bestimmen den Zeitdruck.
Warum ist Zeitdruck entscheidend?
Mit zunehmendem Zeitdruck steigt die Fehlerquote stark an. Entscheidend ist deshalb, den Ball rechtzeitig zu erreichen und trotz hoher Bewegungsgeschwindigkeit eine kontrollierte Schlagposition herzustellen.
Das bedeutet es für Trainer
Integriere regelmäßig kurze Antritte und Richtungswechsel zur Vorhand- und Rückhandseite. Verbinde sie mit zugespielten Bällen oder Schlagsimulationen und berücksichtige auch die anschließende Rückbewegung.
Steigere den Zeitdruck passend zum Leistungsstand. Ziel ist, schnelle Laufbewegungen und kontrollierte Schläge auch bei wiederholter Belastung miteinander zu verbinden.